Euro und britisches Pfund versuchten am Freitag, sich gegenüber dem US-Dollar zu erholen. Die leichte Verbesserung beider Währungen verschleierte jedoch eine deutlich komplexere Entwicklung an den europäischen Devisenmärkten. Anleger entscheiden nun nicht mehr darüber, ob die Europäische Zentralbank und die Bank von England die Zinsen senken werden, sondern darüber, ob eine erneute Energieinflation eine der beiden Institutionen letztendlich zu einer Straffung ihrer Geldpolitik zwingen könnte, obwohl das Wirtschaftswachstum weiterhin fragil ist.
Der Euro legte nach einem Rückgang auf ein Neun-Tage-Tief leicht zu, während sich auch das Pfund Sterling von seiner jüngsten Schwäche etwas erholte. Beide Entwicklungen stellten jedoch keine klare Abkehr vom stärkeren Dollar dar, der weiterhin durch hohe Renditen von US-Staatsanleihen und die Nachfrage nach sicheren Anlagen gestützt wurde. Beide Währungen profitierten jedoch von der wachsenden Überzeugung, dass die europäischen Zinssätze deutlich länger hoch bleiben müssen, als die Märkte noch vor wenigen Wochen erwartet hatten.
Dies führt zu einem ungewöhnlichen Währungsumfeld. Höhere Zinserwartungen würden normalerweise Euro und Pfund stärken, doch der Grund für den Anstieg dieser Erwartungen ist genau das, was beide Volkswirtschaften bedroht: Die Ölpreise sind wieder auf rund 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen, die Transportkosten steigen und Investoren diskutieren erneut die Möglichkeit einer Stagflation.
Der unangenehme Zinsvorteil des Euro
Die Europäische Zentralbank (EZB) beließ ihren Einlagensatz am Donnerstag nach der Anhebung im Juni unverändert bei 2,25 Prozent. Sie ließ jedoch die Möglichkeit einer weiteren Erhöhung offen, da die EZB prüft, ob sich der jüngste Energieschock auf Löhne, Dienstleistungen und die allgemeinen Verbraucherpreise auswirken wird. Händler halten eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte im September für sehr wahrscheinlich und preisen zudem die Möglichkeit einer weiteren Zinserhöhung vor Jahresende ein.
Unter normalen Umständen würde eine solch rasche Neubewertung den Euro deutlich stützen. Höhere erwartete Renditen von auf Euro lautenden Anleihen machen die Währung attraktiver, während die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik die relative Attraktivität des Dollars verringern kann.
Das Problem ist, dass die Eurozone diese Zinsstützung nicht aufgrund eines beschleunigten Wirtschaftswachstums erhält, sondern weil importierte Energie wieder teurer wird.
Europa bleibt aufgrund seines hohen Energieimportbedarfs besonders anfällig für einen anhaltenden Anstieg der Öl- und Gaspreise. Das bedeutet, dass derselbe Schock, der die EZB zu Zinserhöhungen veranlasst, auch die Kaufkraft der Haushalte schwächt, die Produktionskosten erhöht und eine Region bedroht, die ohnehin schon mit schwachem Wachstum zu kämpfen hat.
Die jüngste EZB-Umfrage spiegelt diese Spannung wider. Ökonomen erwarten für die Eurozone eine durchschnittliche Inflation von 2,7 % im Jahr 2026, bevor sie im nächsten Jahr auf 2,2 % nachlässt. Gleichzeitig wurde die Wachstumsprognose für dieses Jahr auf lediglich 0,6 % gesenkt. Der Euro profitiert somit von höheren Zinsen bei gleichzeitig schwächerem Wachstum – eine Kombination, die eine Währung zwar vorübergehend stützen kann, aber selten eine nachhaltige langfristige Erholung zur Folge hat.
Sterling besitzt eine andere Art von Stärke.
Das Pfund Sterling steht vor ähnlichen Herausforderungen, seine Lage erscheint jedoch etwas weniger fragil. Auch in Großbritannien wird mit einem Anstieg der Inflation gerechnet, da teure Energie und beeinträchtigte Schifffahrtswege die Kosten für Transport, Energie und Unternehmen in die Höhe treiben. Gleichzeitig haben Vertreter der Bank of England wiederholt gewarnt, dass sie bereit seien, die Zinsen anzuheben, sollten sich die Inflationserwartungen weiter verfestigen.
Die Märkte sehen derzeit eine realistische Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Bank of England noch vor Jahresende, obwohl Ökonomen vorsichtiger bleiben und viele davon ausgehen, dass die Zentralbank die Kreditkosten unverändert lässt. Catherine Mann, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England, erklärte, sie würde eine restriktivere Geldpolitik unterstützen, sollte sich der Inflationsausblick verschlechtern, während Gouverneur Andrew Bailey klarstellte, dass erneute Zinssenkungen derzeit nicht zur Debatte stehen.
Der relative Vorteil des Pfunds liegt darin, dass Anleger eher bereit waren, der britischen Wirtschaft zuzutrauen, eine restriktivere Geldpolitik zu verkraften, ohne unmittelbar in eine tiefere Rezession zu geraten. Das Pfund hatte im Juni bereits ein Zehnmonatshoch gegenüber dem Euro erreicht, und der Euro hatte wiederholt Schwierigkeiten, sich gegenüber der britischen Währung nachhaltig zu erholen.
Das Pfund Sterling ist jedoch nicht immun gegen den Energieschock. Großbritannien importiert Treibstoff, ist weiterhin von globalen Transportkosten abhängig und sieht sich bereits mit hohen Inflationserwartungen konfrontiert. Dennoch geht das Pfund mit einer stärkeren Marktdynamik und einem deutlicheren Zinsaufschlag als der Euro in die aktuelle Phase, was es derzeit zur überzeugenderen der beiden europäischen Währungen macht.
Der Dollar bleibt das eigentliche Hindernis
Der wichtigere Vergleich findet heute vielleicht gar nicht zwischen Euro und Pfund Sterling statt, sondern zwischen beiden Währungen und dem US-Dollar.
Der Dollar legte diese Woche um fast 0,9 % zu und verzeichnete damit seine stärkste Wochenperformance seit Mai. Steigende Ölpreise und höhere Renditen von US-Staatsanleihen beflügelten die Erwartungen, dass die Federal Reserve ihre Geldpolitik erneut straffen könnte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte kürzlich den höchsten Stand seit 18 Monaten, während die Rendite dreißigjähriger Anleihen sich einem Niveau annäherte, das seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wurde.
Dies bringt Euro und Pfund in eine schwierige Lage. Beide könnten von höheren inländischen Zinserwartungen profitieren, doch der Dollar erfährt dieselbe Unterstützung und profitiert zusätzlich von seiner Rolle als bevorzugter sicherer Hafen am Markt in Zeiten geopolitischer Spannungen.
Die USA sind aufgrund ihrer Stellung als bedeutender Öl- und Gasproduzent weniger anfällig für die Inflation importierter Energieprodukte als Europa. Höhere Rohölpreise belasten zwar auch die amerikanischen Verbraucher und können die Inflation anheizen, doch Europa spürt die Auswirkungen direkter durch seine Handelsbilanz, die Industriekosten und die Abhängigkeit von externen Lieferungen.
Solange der Ölpreis nahe 100 Dollar bleibt und die US-Renditen hoch bleiben, dürfte es schwierig werden, aus Erholungen sowohl beim EUR/USD als auch beim GBP/USD nachhaltige Aufwärtsbewegungen zu entwickeln.
Der aufschlussreichste Wechselkurs dürfte EUR/GBP sein.
Anleger analysieren Euro und Pfund Sterling oft primär im Verhältnis zum Dollar, doch der Euro-Pfund-Wechselkurs liefert möglicherweise ein klareres Urteil über ihre relative Stärke.
Sowohl Europa als auch Großbritannien stehen vor denselben globalen Schocks, darunter höhere Treibstoffpreise, gestiegene Transportkosten und die Möglichkeit einer restriktiveren Geldpolitik. Ein direkter Vergleich lässt den Einfluss des Dollars als sicherer Hafen deutlich schwinden und zeigt, welche regionale Wirtschaft nach Ansicht der Investoren besser gerüstet ist, um mit dem Druck umzugehen.
Das Pfund Sterling hatte in diesem Wettstreit im Allgemeinen die Oberhand. Sollte das Pfund den Euro weiterhin übertreffen, während beide Währungen gegenüber dem Dollar schwächeln, würde dies bedeuten, dass Investoren Europa als Ganzes nicht ablehnen, sondern zwischen zwei unterschiedlichen Stufen der Verwundbarkeit unterscheiden.
Eine nachhaltige Erholung des Euro gegenüber dem Pfund Sterling erfordert mehr als das Versprechen von Zinserhöhungen der EZB. Sie bräuchte vermutlich Beweise dafür, dass sich die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone stabilisiert, die Energiepreise die Handelsposition der Region nicht länger verschlechtern und die EZB die Inflation kontrollieren kann, ohne eine ohnehin schon schwache Wirtschaft übermäßig zu belasten.
Worauf Anleger als Nächstes achten sollten
Die unmittelbare Entwicklung beider Währungen wird von drei Faktoren abhängen: ob der Ölpreis über 100 Dollar bleibt, ob die Renditen europäischer Staatsanleihen weiter steigen und ob die kommenden Daten zur Geschäftstätigkeit bestätigen, dass das Wirtschaftswachstum anhält.
Für den Euro wird sich zeigen, ob höhere Zinserwartungen die Auswirkungen des Energieschocks auf Europa ausgleichen können. Ein weiterer Anstieg der Renditen deutscher Staatsanleihen in Verbindung mit sich verbessernden Wirtschaftsdaten könnte der Währung eine Erholung ermöglichen, doch steigende Renditen bei gleichzeitig schwächerer Konjunktur würden die Politik zunehmend stagflationär erscheinen lassen.
Beim Pfund Sterling wird die Aufmerksamkeit darauf gerichtet sein, ob die Märkte ihre Erwartungen an eine Maßnahme der Bank of England weiter erhöhen und ob die britische Wirtschaft ihren jüngsten relativen Vorteil gegenüber der Eurozone beibehalten kann. Das Pfund könnte gegenüber dem Euro stärker bleiben, selbst wenn es gegenüber dem Dollar nur schwer nennenswerte Fortschritte erzielt.
Die globalen Märkte starteten am Freitag unter Druck, da die Anleger mit einer Kombination konfrontiert waren, die immer schwieriger zu ignorieren ist: Ölpreise über 100 Dollar pro Barrel, Anleiherenditen nahe mehrjährigen Höchstständen, ein stärkerer US-Dollar und wachsende Zweifel daran, ob die enormen Ausgaben für künstliche Intelligenz schnell genug Gewinne generieren werden, um die höchsten Bewertungen des Marktes zu rechtfertigen.
Asiatische Aktien verzeichneten am Vormittag deutliche Verluste und setzten damit die risikoscheue Stimmung fort, die auf die Kursverluste an der Wall Street am Donnerstag folgte. Der japanische Nikkei fiel um rund 3 Prozent, während der südkoreanische Kospi um fast 6 Prozent nachgab. Höhere Energiekosten, steigende Zinserwartungen und die Schwäche großer Technologieaktien veranlassten Anleger, ihr Engagement in risikoreicheren Anlagen zu reduzieren.
Für Anleger ist heute entscheidend, dass es sich hierbei nicht mehr um voneinander unabhängige Marktentwicklungen handelt. Steigende Ölpreise treiben die Inflationserwartungen in die Höhe, diese Inflationsängste lassen die Anleiherenditen steigen, höhere Renditen stärken den Dollar und setzen hoch bewertete Aktien unter Druck. Gleichzeitig werfen enttäuschende Reaktionen auf die Gewinne großer Technologieunternehmen die Frage auf, ob der stärkste Wachstumsmotor des Marktes die globalen Aktienmärkte weiterhin tragen kann.
Das Öl gibt die Richtung vor
Brent-Rohöl stieg kurzzeitig über 102 US-Dollar pro Barrel, nachdem Angriffe auf saudische Öltanker im Roten Meer die ohnehin angeschlagene Energieversorgung im Nahen Osten zusätzlich belasteten. Der Ölpreis verteuerte sich im Juli um fast 40 Prozent und verwandelte eine anfänglich als vorübergehend erscheinende geopolitische Risikoprämie in einen potenziell umfassenderen Inflationsschock.
Für Anleger ist die entscheidende Frage nicht mehr allein, ob der Rohölpreis im heutigen Handel über 100 US-Dollar bleibt. Vielmehr geht es darum, ob sich die höheren Preise verstärkt auf Diesel, Kerosin, Frachtkosten und Betriebskosten von Unternehmen auswirken. Ein anhaltender Anstieg in diesen Bereichen hätte weit mehr Auswirkungen als nur auf Energieproduzenten und würde Fluggesellschaften, Transportunternehmen, Hersteller, Einzelhändler und die Konsumausgaben unter Druck setzen.
Die Entwicklung des Ölpreises bleibt daher das wichtigste Signal, das es zu beobachten gilt. Ein Rückgang unter 100 US-Dollar könnte den Märkten etwas Erleichterung verschaffen, insbesondere nach dem rasanten Anstieg. Ein erneuter Anstieg in Richtung 105 US-Dollar würde jedoch die Befürchtungen verstärken, dass sich die Inflation beschleunigen könnte, bevor die Zentralbanken ihre Lockerungszyklen abgeschlossen haben.
Der Anleihenmarkt sendet möglicherweise die lautere Warnung.
Obwohl das Thema Öl derzeit die meisten Schlagzeilen beherrscht, liefert der Anleihenmarkt möglicherweise die weitreichendere Botschaft.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf über 4,70 % und erreichte damit den höchsten Stand seit rund 18 Monaten, während die Rendite dreißigjähriger Anleihen sich 5,20 % näherte und damit fast ihren Höchststand seit 19 Jahren erreichte. Anleger hinterfragen zunehmend, ob die Federal Reserve als nächstes eine Zinssenkung vornehmen wird, da die Märkte die Möglichkeit einer weiteren Straffung der Geldpolitik einpreisen, falls die hohen Energiepreise die Inflation weiter anheizen.
Dies ist von Bedeutung, da steigende Renditen die Bewertung nahezu aller Vermögenswerte verändern. Staatsanleihen werden im Vergleich zu Aktien attraktiver, Kredite werden für Unternehmen und Haushalte teurer, und Anleger sind weniger bereit, hohe Preise für Gewinne zu zahlen, die erst in vielen Jahren erwartet werden.
Technologieaktien reagieren besonders sensibel auf diese Entwicklung. Sollten die Renditen von US-Staatsanleihen heute weiter steigen, könnte eine Erholung der Nasdaq-Futures selbst dann fragil bleiben, wenn die unmittelbare Panik um den Ölpreis nachlässt.
Die KI steht vor ihrer ersten ernsthaften Glaubwürdigkeitsprüfung
Der jüngste Kurssturz im Technologiesektor hat die Unsicherheit am Markt weiter verschärft. Tesla-Aktien fielen um mehr als 14 %, nachdem das Unternehmen erstmals seit zwei Jahren einen negativen Cash-Burn gemeldet hatte, während Alphabet-Aktien um rund 7 % nachgaben, da Anleger negativ auf die Höhe der Investitionen in künstliche Intelligenz reagierten.
Der Markt wendet sich nicht gegen künstliche Intelligenz an sich. Er fordert vielmehr deutlichere Beweise dafür, dass Investitionen in Infrastruktur in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar schnell genug Einnahmen und Gewinne generieren, um die Investition zu rechtfertigen.
Diese Unterscheidung wird in der kommenden Berichtssaison von Bedeutung sein. Unternehmen werden möglicherweise nicht mehr automatisch für höhere KI-Ausgaben belohnt. Investoren werden sich voraussichtlich stärker auf Cashflow, Kapitalintensität und den Zeitpunkt der finanziellen Rendite konzentrieren.
Dies könnte einen selektiveren Technologiemarkt schaffen, in dem Unternehmen mit soliden Bilanzen und sichtbarer Monetarisierung besser abschneiden als Unternehmen, die sich primär auf optimistische langfristige Prognosen stützen.
Der Dollar entwickelt sich zu einer weiteren Druckquelle.
Höhere US-Renditen haben den Dollar gestärkt, der Dollar-Index erreichte den höchsten Stand des Monats. Gleichzeitig schwächte sich der Yen auf ein Niveau ab, das seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr beobachtet wurde, was Spekulationen über mögliche Interventionen der japanischen Behörden am Devisenmarkt verstärkte.
Ein stärkerer Dollar übt üblicherweise zusätzlichen Druck auf in US-Dollar gehandelte Rohstoffe aus, doch der aktuelle Ölpreisanstieg ist stark genug, um diesem Zusammenhang entgegenzuwirken. Er kann zudem die globalen Finanzbedingungen verschärfen, indem er die Kosten für in US-Dollar denominierte Schulden von Schwellenländern erhöht und die Auslandseinnahmen großer US-amerikanischer multinationaler Konzerne nach Rückrechnung in Dollar schmälert.
Anleger sollten daher genau beobachten, ob der Dollar parallel zum Ölpreis weiter an Wert gewinnt. Diese Kombination würde ein besonders schwieriges Umfeld für Schwellenländer, globale Hersteller und Unternehmen mit signifikanten Auslandsumsätzen schaffen.
Die europäischen Wirtschaftsdaten könnten die Stimmung verändern
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die Einkaufsmanagerindexdaten aus Großbritannien, der Eurozone und den USA, die einen zeitnahen Einblick in die Frage geben, ob höhere Energiekosten und angespanntere Finanzbedingungen die Geschäftstätigkeit bereits beeinträchtigen.
Starke PMI-Zahlen werden von den Märkten möglicherweise nicht positiv aufgenommen, da sie die Erwartung bestärken könnten, dass die Zentralbanken Spielraum für Zinserhöhungen oder die Verschiebung künftiger Zinssenkungen haben. Schwache Zahlen würden hingegen ein anderes Problem darstellen und darauf hindeuten, dass sich die Weltwirtschaft abschwächt, während gleichzeitig der Inflationsdruck zurückkehrt.
Dies stellt Anleger vor ein unangenehmes Szenario, in dem sowohl starke als auch schwache Wirtschaftsdaten aus unterschiedlichen Gründen Anlass zur Sorge geben können. Das beruhigendste Ergebnis wäre ein moderates Wachstum, begleitet von wenigen Anzeichen dafür, dass sich die Energiekosten auf die Gesamtpreise auswirken.
Worauf Anleger heute achten sollten
Die Richtung der globalen Märkte dürfte heute eher von der Beziehung zwischen drei Vermögenswerten abhängen als von einer einzelnen Schlagzeile: Brent-Rohöl, die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und Nasdaq-Futures.
Wenn sich der Ölpreis stabilisiert, die Renditen sinken und sich die Technologie-Futures erholen, könnten Anleger zu dem Schluss kommen, dass der Kurssturz vom Donnerstag den Großteil des unmittelbaren Schocks bereits aufgefangen hat. Dies könnte eine Erholung der europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte begünstigen.
Steigt der Ölpreis weiter an, während die Renditen von US-Staatsanleihen über 4,70 % bleiben, könnte der Markt die aktuelle Situation eher als strukturelles Inflationsproblem denn als vorübergehende geopolitische Störung einstufen. In diesem Fall könnte sich der Druck über den Technologiesektor hinaus auf Konsumgüter-, Industrie- und Finanzaktien ausweiten.
Die tiefere Marktbotschaft
Die Welt geht mit einer ganz anderen Investitionsdebatte in die heutige Sitzung als jener, die die Märkte Anfang des Jahres beherrschte.
Investoren fragen sich nicht mehr nur, wie stark künstliche Intelligenz die Unternehmensgewinne steigern kann oder wann die Zentralbanken mit Zinssenkungen beginnen werden. Sie müssen nun auch berücksichtigen, ob ein Energieschock, steigende Transportkosten und hohe Kapitalkosten beide Entwicklungen gleichzeitig beeinträchtigen könnten.
Das bedeutet nicht automatisch das Ende der Aktienrallye. Die Unternehmensgewinne bleiben stabil, die globale Wirtschaftstätigkeit ist nicht eingebrochen und die Märkte haben in der Vergangenheit bereits erhebliche geopolitische Schocks verkraftet.
Doch die heutige Sitzung könnte zeigen, ob die Anleger immer noch jeden Kursrückgang als Kaufgelegenheit betrachten oder ob die Rückkehr der Inflation sie endlich vorsichtiger hinsichtlich des Preises gemacht hat, den sie für Wachstum zu zahlen bereit sind.
Monatelang haben Anleger geopolitische Risiken anhand der Rohölpreise gemessen, doch diese Woche könnte diese Gleichung stillschweigend verändert haben. Der Ölpreis, der sich wieder der 100-Dollar-Marke pro Barrel näherte, dominierte zweifellos die Schlagzeilen. Doch unter dieser Rallye sendet ein anderer Markt ein ebenso wichtiges Warnsignal: Das globale Schifffahrtssystem zeigt erste Anzeichen von Belastung. Dies nährt die Befürchtung, dass die nächste Inflationswelle nicht durch einen Warenmangel, sondern durch einen zunehmend langsameren, teureren und unberechenbareren Warentransport ausgelöst wird.
Diese Unterscheidung könnte genauso wichtig sein wie der Ölpreis selbst.
Warum der Schiffsverkehr wichtiger ist, als viele Investoren annehmen
Die meisten Inflationsdiskussionen beginnen mit Rohstoffen, aber nur wenige mit der Logistik, obwohl jedes Produkt, sei es ein Smartphone, ein Kühlschrank, ein Elektrofahrzeug oder eine Lieferung Kaffeebohnen, von einer grundlegenden Voraussetzung abhängt: Es muss sein Ziel erreichen.
Wenn Transportwege gefährlich oder überlastet werden, steigen die Transportkosten lange bevor tatsächliche Engpässe auftreten. Unternehmen zahlen mehr für Versicherungen, die Frachtraten steigen, Lieferzeiten werden unzuverlässiger und vorsorglich legen sie größere Lagerbestände an. All diese Kosten schlagen sich letztendlich in den Verbraucherpreisen nieder, was bedeutet, dass sich Störungen in der Logistik auf nahezu alle Sektoren der Weltwirtschaft ausweiten können, anstatt auf ein einzelnes Produkt beschränkt zu bleiben.
Die Welt hat diese Lektion schon einmal gelernt.
Viele Anleger erinnern sich an den Inflationsanstieg nach der Pandemie, aber nur wenige erinnern sich daran, wie sehr dieser durch den Zusammenbruch globaler Transportnetze verursacht wurde.
Die Verbrauchernachfrage stieg sprunghaft an, doch das Problem bestand nicht einfach darin, dass die Menschen mehr Waren wollten. Häfen waren überlastet, Container blieben an den falschen Standorten liegen, die Transportkapazitäten verknappten sich drastisch und die Frachtraten explodierten. Hersteller hatten oft versandbereite Produkte, konnten diese aber nicht effizient genug transportieren, um die Nachfrage zu decken.
Die Folge war einer der stärksten globalen Inflationsschocks seit Jahrzehnten. Die heutigen Umstände sind anders, doch der zugrunde liegende Mechanismus ist beunruhigend vertraut: Die physische Transportfähigkeit von Gütern könnte erneut wichtiger werden als die Produktionsmenge.
Handelsrouten werden Teil des Marktes
Die Entwicklungen dieser Woche im Nahen Osten haben Investoren erneut vor Augen geführt, dass die Geografie ebenso wichtig sein kann wie die Wirtschaft. Die Straße von Hormus wickelt rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs ab, während die Meerenge Bab al-Mandab das Rote Meer mit dem Suezkanal verbindet und nicht nur Energielieferungen, sondern auch den Verkehr Tausender Schiffe mit Fertigwaren zwischen Asien und Europa ermöglicht.
Diese Routen funktionieren nicht isoliert. Wenn die Unsicherheit bezüglich eines Korridors zunimmt, verlagert sich der Druck sofort auf die verfügbaren Alternativen, was zu steigenden Versicherungsprämien, einer Überprüfung der Routen durch die Reedereien und längeren Transportzeiten führt.
Nichts davon erfordert einen vollständigen Stillstand. Märkte beginnen, Gefahren einzupreisen, lange bevor der Handel tatsächlich zum Erliegen kommt, und das scheint derzeit die wichtigere Entwicklung zu sein. Die Bedrohung besteht nicht unbedingt darin, dass der Welthandel zum Erliegen gekommen ist, sondern darin, dass die Kosten für seine Aufrechterhaltung steigen.
Die versteckten Kosten sind Zeit.
Höhere Treibstoffkosten erregen sofortige Aufmerksamkeit, weil sie sichtbar sind, während Zeitverluste schwieriger zu messen sind, obwohl sie wirtschaftlich genauso bedeutsam sind.
Ein Containerschiff, das gezwungen ist, das Kap der Guten Hoffnung zu umfahren, anstatt den Suezkanal zu benutzen, kann Tausende von Seemeilen mehr zurücklegen, was den Treibstoffverbrauch erhöht und das Schiff deutlich länger auf See hält. Dadurch verringert sich die Anzahl der Fahrten, die jedes Schiff pro Jahr absolvieren kann, wodurch die globale Transportkapazität effektiv sinkt, selbst wenn keine Schiffe zerstört und keine großen Häfen geschlossen werden.
Die Lieferkette wird weniger effizient, einfach weil die Entfernung zugenommen hat, und dieser Effizienzverlust schlägt sich schließlich in Frachtraten, Lagerkosten und Verbraucherpreisen nieder.
Zentralbanken können dieses Problem nicht lösen.
Zinssätze können die Verbrauchernachfrage verringern, aber sie können weder Schifffahrtswege wieder öffnen, noch die Kosten für die Seeversicherung senken oder eine Reise verkürzen, die plötzlich zwei zusätzliche Wochen erfordert.
Dies stellt Zentralbanken vor eine besonders unangenehme Herausforderung. Sollten die Transportkosten wieder in die Inflation einfließen, könnten die politischen Entscheidungsträger mit steigenden Preisen konfrontiert werden, die primär durch Angebotsengpässe und nicht durch übermäßige Nachfrage bedingt sind – genau die Art von Inflation, die die Geldpolitik nur schwer bekämpfen kann.
Zinserhöhungen können Konsum, Investitionen und Wirtschaftswachstum schwächen, tragen aber nicht zu mehr Sicherheit im Welthandel bei. Zentralbanken können die Symptome lindern, aber nicht die Ursache der Störungen beheben.
Anleger beobachten möglicherweise das falsche Diagramm.
An jedem Finanzterminal wird der aktuelle Ölpreis angezeigt, während weitaus weniger Anleger regelmäßig die Containerfrachtraten, die Kosten für die Schiffsversicherung oder die Anzahl der Schiffe, die um gefährliche Wasserstraßen umgeleitet werden, im Auge behalten.
Das muss sich möglicherweise ändern. Die Geschichte zeigt, dass Transportstörungen oft still und leise beginnen, bevor sie nicht mehr zu ignorieren sind, und wenn sie schließlich die Schlagzeilen beherrschen, haben die Unternehmen in der Regel bereits begonnen, Preise, Lagerbestände und Lieferketten anzupassen.
Märkte reagieren häufig erst, wenn der wirtschaftliche Schaden bereits eingetreten ist. Öl mag das sichtbarste Warnsignal liefern, doch Schifffahrtsdaten könnten Aufschluss darüber geben, ob sich die Bedrohung auf die gesamte Wirtschaft ausweitet.
Das Gesamtbild
Die Ereignisse dieser Woche könnten sich letztendlich als mehr als nur eine weitere geopolitische Eskalation erweisen. Sie könnten den Wendepunkt markieren, an dem Anleger aufhörten, die Inflation ausschließlich durch die Brille des Ölpreises zu betrachten, und begannen, der Infrastruktur, die den Welthandel am Laufen hält, mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Die moderne Wirtschaft ist auf eine bemerkenswert effiziente Logistik angewiesen, und solange dieses System funktioniert, bemerken die Verbraucher es kaum. Sobald es jedoch ins Stocken gerät, spürt fast jede Branche die Folgen durch höhere Kosten, Lieferverzögerungen und anfälligere Lieferketten.
Öl bleibt einer der wichtigsten Preise weltweit, doch die zukünftige Inflation wird möglicherweise nicht allein von der Fördermenge abhängen. Sie könnte auch von den Schiffen bestimmt werden, die mit dem Transport des Öls zu kämpfen haben, sowie von allem anderen, wovon die Weltwirtschaft abhängt.
Die US-Aktienmärkte zeigten am Donnerstag eine gemischte, aber zunehmend robuste Performance, da die Anleger versuchten, sich von den starken Kursverlusten der vorangegangenen Sitzung zu erholen, obwohl die steigenden Ölpreise weiterhin die Befürchtung schürten, dass die Inflation länger als von den Märkten erwartet hartnäckig hoch bleiben könnte.
Die Sitzung verdeutlichte einen zunehmend wichtigen Wandel in der Anlegerpsychologie. Noch vor wenigen Wochen reichten geopolitische Schlagzeilen aus, um breite Verkäufe an den Aktienmärkten auszulösen. Heute scheint der Markt selektiver zu agieren. Starke Unternehmensgewinne stützen die Aktienkurse, während makroökonomische Risiken die Euphorie weiterhin dämpfen.
Das Ergebnis ist ein Markt, der sich weigert zusammenzubrechen, aber gleichzeitig Schwierigkeiten hat, eine weitere nachhaltige Rallye zu starten.
Der Markt
Der Dow Jones Industrial Average entwickelte sich am Donnerstag besser als der breitere Markt, unterstützt durch Kursgewinne bei Industrie- und defensiven Unternehmen, die tendenziell von höheren Rohstoffpreisen und einer stärkeren Wirtschaftstätigkeit profitieren.
Der S&P 500 notierte leicht im Plus, da die Anleger eine weitere Welle erfreulicher Unternehmensgewinne gegen steigende Renditen von Staatsanleihen und erneute Inflationssorgen abwägten.
Der Nasdaq Composite blieb verhaltener, was den anhaltenden Druck auf Technologieaktien widerspiegelte, da höhere Anleiherenditen die Attraktivität von Wachstumsaktien mit langer Laufzeit verringerten.
Der Markt wird selektiver.
Eines der deutlichsten Themen dieser Berichtssaison ist, dass Investoren Unternehmen nicht mehr einfach dafür belohnen, dass sie die Erwartungen übertroffen haben.
Stattdessen werden Prognosen, Gewinnmargen und Managementaussichten von den Märkten viel genauer unter die Lupe genommen.
Unternehmen, die zwar starke Quartalszahlen vorweisen konnten, aber vorsichtige Prognosen abgaben, hatten oft Schwierigkeiten, ihre Gewinne aufrechtzuerhalten, während Firmen, die Zuversicht in die zukünftige Nachfrage zeigten, deutlich positiver aufgenommen wurden.
Dies stellt einen gesünderen Markt dar als die von Momentum getriebenen Rallyes, die wir Anfang des Jahres beobachtet haben.
Investoren konzentrieren sich zunehmend auf Qualität, anstatt einfach nur Schlagzeilen hinterherzujagen.
Öl schreibt die Inflationsgeschichte neu
Die größte Herausforderung für die Wall Street heute ist nicht das amerikanische Unternehmertum.
Es handelt sich um den Energiemarkt.
Die Rückkehr des Brent-Rohölpreises in Richtung der 100-Dollar-Marke droht den Kampf der Federal Reserve gegen die Inflation zu verkomplizieren, gerade als die Anleger begonnen hatten, mit einer weniger restriktiven Geldpolitik zu rechnen.
Höhere Ölpreise wirken sich letztendlich auf Transport, Produktion, Logistik und Konsumausgaben aus.
Das bedeutet, dass die heutige Energierallye nicht nur Ölproduzenten betreffen könnte. Sie könnte die Gewinnerwartungen in Dutzenden von Branchen im zweiten Halbjahr verändern.
Für Aktienanleger entsteht dadurch ein unangenehmer Balanceakt.
Eine stärkere Wirtschaft unterstützt die Unternehmensgewinne, aber teure Energie erhöht auch die Kosten, verringert die Gewinnmargen und verzögert mögliche Zinssenkungen.
Die Renditen von Anleihen werden immer unübersehbarer.
Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen weiter an, da die Anleger die Aussichten für die Geldpolitik der Federal Reserve neu bewerteten.
Das ist deshalb wichtig, weil höhere Renditen die erzielbare Rendite relativ sicherer Staatsanleihen erhöhen, wodurch hoch bewertete Aktien im Vergleich weniger attraktiv werden.
Technologieunternehmen reagieren besonders sensibel auf diesen Zusammenhang, da ein Großteil ihrer Bewertung von zukünftigen Cashflows abhängt.
Mit steigenden Diskontsätzen sind Anleger immer weniger bereit, hohe Multiplikatoren für erwartete Gewinne in vielen Jahren zu zahlen.
Dies erklärt zum Teil, warum der Dow Jones in letzter Zeit eine größere Widerstandsfähigkeit als der Nasdaq gezeigt hat.
Der Markt dreht sich still und leise.
Unter der Oberfläche entwickelt sich ein weiterer wichtiger Trend.
Geld fließt nicht zwangsläufig aus Aktien ab.
Stattdessen scheinen sich die Anleger auf Sektoren zu verlagern, die als besser für ein Umfeld mit höheren Rohstoffpreisen, anhaltender Inflation und erhöhten Zinssätzen aufgestellt gelten.
Industrieunternehmen, Energieunternehmen, Finanzwerte und ausgewählte defensive Unternehmen haben eine stärkere Nachfrage erfahren, während einige der wachstumsstärksten Unternehmen des Marktes Schwierigkeiten hatten, ihre Führungsposition zu behaupten.
Diese Art von Rotation signalisiert oft, dass institutionelle Anleger dem Gesamtmarkt weiterhin positiv gegenüberstehen, auch wenn sie vorsichtiger geworden sind, woher künftige Gewinne wahrscheinlich kommen werden.
Die Berichtssaison besteht ihre erste echte Bewährungsprobe.
Starke Unternehmensgewinne trugen maßgeblich zur Rallye an der Wall Street in diesem Jahr bei.
Diese Erträge stehen nun vor einem schwierigeren Umfeld.
Höhere Ölpreise, steigende Finanzierungskosten und wachsende Unsicherheit hinsichtlich der Inflation bedeuten, dass sich die Anleger eine schwierigere Frage stellen müssen.
Können Unternehmen ihre Gewinne weiter steigern, wenn die Betriebskosten wieder steigen?
Bislang haben viele der größten US-Unternehmen diese Frage überraschend gut beantwortet.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich diese Widerstandsfähigkeit über eine Handvoll Marktführer hinaus auf die gesamte Unternehmenslandschaft ausdehnt.
Wall-Street-Ausblick
Der US-Aktienmarkt befindet sich nun an einem wichtigen Scheideweg.
Die Unternehmensgewinne bleiben stabil, die Verbrauchernachfrage ist nicht eingebrochen und das Wirtschaftswachstum überrascht weiterhin positiv.
Gleichzeitig droht der starke Anstieg der Ölpreise die Inflation neu zu entfachen, die Renditen von Staatsanleihen steigen weiter und die Erwartungen an eine lockerere Geldpolitik sind weniger sicher geworden.
Wenn die Gewinne weiterhin die Erwartungen übertreffen, könnten sich Aktien als fähig erweisen, höhere Zinssätze länger zu verkraften, als viele Anleger derzeit annehmen.
Wenn jedoch die hohen Energiepreise die Gewinnmargen der Unternehmen schmälern, während die Anleiherenditen weiter steigen, könnte die Wall Street nach Monaten beeindruckender Kursgewinne in eine Phase deutlich unruhigeren Handels eintreten.
Im Moment fragen sich die Anleger nicht mehr, ob sich die US-Wirtschaft verlangsamt.
Sie fragen sich, ob die starke US-amerikanische Wirtschaft auch weiterhin in einem zunehmend schwierigen makroökonomischen Umfeld überdurchschnittlich gut abschneiden kann.